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Einleitung
Der Bergbau im Schwarzwald hat eine lange Tradition. Bereits in der
Steinzeit wurde im hinteren Sulzburger Tal Hämatit abgebaut, die Römer haben
sehr wahrscheinlich in Sulzburg Silber gewonnen. Nach einem enormen
Aufschwung im Mittelalter, der der Region einen erheblichen Reichtum
gebracht hat, ließen die Aktivitäten langsam wieder nach und im
dreißigjährgen Krieg war der Bergbau im Schwarzwald erloschen. Nur langsam
erholte er sich von der Krise, doch im 18. Jahrhundert kam es in einigen
Revieren zu einer erneuten Blüte, als im mittleren Schwarzwald bei Wittichen
und Wolfach reiche Vorkommen von Silber- und Kobalterzen erschlossen wurden.
Diese erfolgreiche Periode währte jedoch nicht lange und schon zu Beginn des
19. Jahrhunderts ging die Ausbeute der Gruben erneut zurück. Es wurden von
staatlicher wie auch von privater Hand nochmals Versuche unternommen, alte
Gruben im Kinzigtal und im Münstertal neu zu erschließen, doch war diesem
Bemühen kein länger anhaltender Erfolg beschieden. So standen in der zweiten
Hälfte des 19. Jahrhunderts keine bedeutenden Bergwerke mehr in Förderung.
Ein in vielfacher Hinsicht bedeutender Moment für den Bergbau im
Großherzogtum Baden war die Einführung des neuen Badischen Berggesetzes am
22. Juni.1890. Es löste eine im Jahre 1797 durch den badischen Markgrafen
Karl Friedrich erlassene badische Bergordnung ab, die nach annähernd 100
Jahren nicht mehr zeitgemäß war.
Das neue Badische Berggesetz baute auf dem Allgemeinen Berggesetz für die
Preußischen Staaten aus dem Jahre 1865 auf. Die Geschäfte des Bergbaus
erfolgten nun unter der Oberleitung des Ministeriums des Inneren bei
gleichzeitiger Errichtung einer nach dem Kollegialprinzip arbeitenden
Domänendirektion in Karlsruhe als oberer Bergbehörde und eines Bergmeisters
als unterer Bergbehörde. Letzterer hatte seinen Sitz zeitweise auch in Bad
Dürrheim, da er gleichzeitig die dortige Saline leitete.
Für die Bergbautreibenden hatte die neue Gesetzgebung die Folge, daß nun
Bergbaufreiheit herrschte, Privatunternehmer also selbständig Bergbau
betreiben durften, nachdem sie eine Lagerstätte verliehen bekommen hatten.
Infolge des neuen Gesetzes stellte sich daher eine Flut neuer Mutungen, also
von Verleihungsanträgen, auf die altbekannten Erzlagerstätten des
Schwarzwaldes ein. Nur eine sehr geringe Zahl davon führte tatsächlich zu
Verleihungen, doch bewirkte das enorm gestiegene Interesse an den alten
Lagerstätten auch eine bemerkenswerte Schürfaktivität im Schwarzwald. Die
meisten Betriebe hatten indes keine Zukunft; die Lagerstätten auf denen sie
bauten, waren bei weitem zu kleinräumig oder zu erzarm, um eine rentable
Ausbeutung zu ermöglichen. Man fand aber auch eine Anzahl von Vorkommen, die
durchaus einen wirtschafltichen Betrieb versprachen, so daß sich zu Beginn
des 20. Jahrhunderts einige größere Betriebe etablieren konnten. Sie bauten
in der Mehrzahl die nun interessanten Minerale Fluß- und Schwerspat ab, an
denen die Bergleute der vergangenen Jahrhunderte kein Interesse hatten und
sie überwiegend auf Halde schütteten oder als Versatz in alte Grubenbaue
einbrachten. Die früher gesuchten silberhaltigen Bleierze waren nun oft nur
noch Nebenprodukt und wurden allenfalls gelegentlich mitgewonnen. Nur in
zwei Betrieben, der Grube Friedrich-Christian in Wildschapbach und in der
Grube Schauinsland, stand die Gewinnung dieser Erze zumindest zeitweise noch
im Vordergrund. Außerdem förderte man in Eisenbach geringe Mengen von
Manganerzen.
In den 1950er Jahren rückte das Uran zunehmend in den Mittelpunkt des
Interesses. War man in den frühen 50er Jahren wegen nur wenig erfolgreicher
Prospektionsbemühungen noch der Meinung, daß im Schwarzwald überhaupt keine
bergwirtschaftlich interessanten Uranlagerstätten auftreten, so erwiesen
sich die mehr zufällig entdeckten Uranerzgänge im Krunkelbachtal bei
Menzenschwand schließlich doch noch als überraschend erzreich. Auch bei
Baden-Baden wurde durch systematische Prospektionen eine wirtschaftlich
interessante Uranvererzung gefunden und bergmännisch untersucht.
Zum Ende des 20. Jahrhunderts war diese späte Bergbauphase wieder weitgehend
beendet. Zahlreiche der oft nur vergleichsweise kleinen Vorkommen waren
ausgebeutet, die Urangruben aufgrund des lokalen und überregionalen
Widerstands sowie wegen der geänderten Verhältnisse auf dem Weltmarkt für
Uran wieder geschlossen. Lediglich ein Bergwerk war zu Beginn des Jahres
2001 noch in Förderung, die Grube Clara bei Wolfach, die als moderner
Gewinnungsbetrieb Flußspat, Schwerspat sowie kleine Mengen von Kupfer- und
Silbererzen förderte und weiter fördert.
Die vorliegende Arbeit soll die neuere Geschichte des Schwarzwälder Bergbaus
detailliert beschreiben und damit diese wohl letzte große Phase des
traditionsreichen Industriezweigs in Baden zusammenfassen. Sie entstand aus
der Beobachtung heraus, daß bergbaugeschichtliche Darstellungen bislang die
moderneren Grubenbetriebe nicht erfassten, da die meisten dieser Arbeiten in
der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, zum Teil sogar noch im 19.
Jahrhundert verfasst wurden. Danach wurden die geschichtlichen Aspekte
einzelner Bergbaureviere in mineralogisch-lagerstättenkundlichen Arbeiten
umrissen, wobei jedoch nur sehr wenige Hintergrundinformationen gegeben und
oft nur die Betriebszeiten grob zusammengefaßt wurden.
Ein Aspekt, der in den bislang veröffentlichten Aufsätzen über den modernen
Bergbau praktisch überhaupt keine Berücksichtigung fand, ist die Rolle der
Bergbautreibenden, ob Gesellschaften oder Einzelpersonen, auf die
Entwicklung der Bergbauindustrie des Schwarzwaldes. Ihnen soll hier etwas
mehr Platz eingeräumt werden.
Diese Arbeit beruht ganz überwiegend auf den Bergbauakten des Landesamtes
für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Baden-Württemberg, das seit dem 1. Juli
1998 auch die Landesbergdirektion einschließt. Diese Unterlagen stellen ein
heute noch weitgehend vollständiges Archiv primärer Informationen über die
baden-württembergische Montanindustrie dar. Gemäß dem Ziel dieser Arbeit
wurden die Akten, die die Metall-, Fluß- und Schwerspatgruben des
Schwarzwaldes betreffen, intensiv ausgewertet. Dabei ergab sich ein
erstaunlich detailliertes und facettenreiches Bild der einzelnen
Grubenbetriebe. Wo notwendig, erfolgte eine behutsame Ergänzung der Daten
aus der Bergbauliteratur. Es wurde jedoch durchaus auch in Kauf genommen,
daß die Informationsfülle zu den einzelnen Betrieben wechselnd ist und nicht
in jedem Falle voll mit der Bedeutung der Gruben korrespondiert. Staatlich
finanzierte Aufsuchungsbetriebe zeichnen sich im Aktenmaterial durch eine
deutliche Überrepräsentation aus, während gerade zu Beginn des 20.
Jahrhunderts auch bei bedeutenderen Bergwerken teilweise erstaunlich wenige
Dokumente verfügbar sind. Ein besonders drastisches Beispiel solchen
Ungleichgewichts ist die staatliche Prospektion der Nickelgrube
Friedrich-August in Horbach, die vermutlich gewichtsmäßig zu erheblich mehr
Papier als gewonnenem Nickel geführt haben.
Bei der Zusammenfassung der Daten wurde versucht, den Charakter der
Dokumente soweit wie möglich wiederzugeben. Dies äußert sich in einer
Vielzahl von Zitaten, die sehr anschaulich die Beweggründe der
Bergbautreibenden, aber auch die zu verschiedenen Zeiten aufkommenden
Probleme und das Verhältnis der Bergbehörde zu den Bergwerksbetrieben
widerspiegeln können. Insofern handelt es sich neben einer chronologischen
Darstellung des Werdeganges der Grubenbetriebe auch um eine
Materialsammlung, die recht umfängliche primäre Informationen aus den
einzelnen Betriebsperioden bietet. Um die Beurteilung der Betriebe durch die
Umgebung möglichst lebendig darstellen zu können, wurden dort, wo vorhanden,
zeitgenössische Presseberichte zitiert. Auch hier erwiesen sich die Akten
der Bergbehörde als ein außerordentlich reichhaltiger Fundus.
Die Aufarbeitung der Daten nahm rund ein Jahr in Anspruch. Trotz aller
Bemühungen kann eine solche Arbeit jedoch nicht vollständig sein. Dies liegt
an der mitunter sehr kurzen Betriebsdauer vieler Gruben, die kaum
schriftliche Unterlagen hinterlassen haben. Gerade auch die eng benachbarten
Kleinbetriebe auf Schwerspat im Raum Zell im mittleren Schwarzwald sind
nicht immer mit Sicherheit zu identifizieren und in den Akten klar zu
trennen, wodurch weitere Lücken entstehen können. Im Einzelfalle wurden die
Darstellungen etwas knapper gehalten, wenn bereits eine umfassende
geschichtliche Darstellung der Betriebe erschienen ist, wie es
beispielsweise bei der Grube Clara in Oberwolfach der Fall war.
Daneben mußte der Umfang dieses Buches insofern beschränkt werden, als nur
solche Betriebe aufgenommen wurden, in denen nachweislich bergmännischer
Vortrieb oder Abbau erfolgte. Dies bedeutet, daß die umfangreichen
Prospektionsarbeiten der "Mineralogischen Studiengesellschaft" unter Dr.
Teike im Schwarzwald in den 1930er Jahren ebenso nur teilweise
berücksichtigt wurden wie die großräumigen Uranprospektionen durch
verschiedene Gesellschaften in den 1970er und 1980er Jahren, die
Goldprospektion im Raum Sulzburg oder die Untersuchungsarbeiten und Mutungen
auf Wolframerze im Raum Zell am Harmersbach. Der Umfang dieser Arbeit wäre
ohne diese Einschränkungen über das akzeptable Maß hinaus gewachsen.
Dieses Buch beschränkt sich weitgehend auf den Gangerzbergbau des
Schwarzwaldes. Aus diesem Grund wurden die Betriebe, die sedimentäre Gips-
und Eisenerzlagerstätten am Rande des Schwarzwaldes gewonnen haben, nicht
aufgenommen. Möglicherweise wird ihnen in Zukunft eine separate Arbeit
gewidmet. Als Exot unter den einheimischen Bergbaubetrieben wurde dagegen
die Geschichte der Niobgrube in Schelingen am Kaiserstuhl bearbeitet.
Die den einzelnen Gruben gewidmeten Kapitel konzentrieren sich weitgehend
auf die Darstellung der bergbaulichen Tätigkeiten. Daneben wurde versucht,
geologisch-lagerstättenkundliche Details, soweit sie der Erläuterung oder
Illustration dienen können, ebenfalls in die Beschreibungen einfließen zu
lassen. Während des Aktenstudiums zeigte sich, daß die Unterlagen der
Bergbehörde Informationen zu den Lagerstätten und den dort gewonnenen Erzen
oder Mineralien enthalten können, die ansonsten kaum in der Literatur
anzutreffen sind. Charakteristsche Beispiele sind die Uranvorkommen in
Menzenschwand und Gernsbach, sowie die Flußspatgrube am Ettengraben bei
Zunsweier als typischer Kleinstbetrieb. In diesen Fällen wurde den
mineralogischen Daten mehr Platz eingeräumt, so daß auch zahlreiche bislang
nicht verfügbare Informationen zu den Lagerstätten, denen der Bergbau galt,
in dieser Arbeit zu finden sein sollten.
Im Bergbau hat sich über die Jahrhunderte ein außerordentlich
spezialisiertes Vokabular entwickelt, um die Verhältnisse der Lagerstätten
und Betriebe effizient und sachgerecht zu umschreiben. Dieses Vokabular
wurde, insbesondere um eine weitestgehende Authentizität zu gewährleisten
und auf umständliche Erklärungen verzichten zu können, in den Darstellungen
dieser Arbeit größtenteils unverändert übernommen. Um auch weniger mit der
Materie vertrauten Lesern das Verständnis der Sachverhalte zu erleichtern,
wurde am Ende des Buches ein Glossar eingefügt, das die wesentlichen
Begriffe allgemeinverständlich erläutert.
Der Autor hofft, mit dieser Arbeit einen kleinen Beitrag zur Erhaltung des
Wissens über den heimischen Bergbau leisten zu können. Es wurde während der
Zusammenstellung der Daten schmerzlich bewußt, daß schon jetzt kaum noch
Zeitzeugen der Bergbaubemühungen vor dem zweiten Weltkrieg zu finden sind.
In wenigen Jahren wird das breite Wissen selbst über die modernen Perioden
des Bergbaus im Schwarzwald weitgehend erloschen sein. Dieses Buch soll
helfen, Heimatforschern, Industriehistorikern wie auch mineralogisch und
bergbaugeschichtlich interessierten Lesern einen Einblick in diese nur
wenige Jahrzehnte zurückliegenden Phasen der Rohstoffgewinnung zu
ermöglichen.
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